Budano Lino

Budano Lino

«...Meine Visionen sind synthetische Wirklichkeiten, Interpretationen, Mystifikationen ... manipulierte Codes, Magnetresonanzen, transgenetische Nahrung, zentrifugierte Fingerabdrücke, die binäre Sprache mit ihrer einprägsamen Grafik, die enthüllte DNA... wurde das Künstliche natürlich oder umgekehrt?»

Die Video-Bildschirm-Skulpturen von Lino Budano

«Der Klang der Haut war quälend, der sich während meiner Reisen über subkutane Vermittler ergab, etwas war verändert, mikroskopische Veränderungen der Homöostase hatten sich ergeben, ich musste sie nur noch klassifizieren». Verstreute Notizen, Betrachtungen in einem Notizbuch, die von einem ­unbekannten Wissenschafter oder Anthropologen stammen könnten. Dies ist der Ausgangspunkt, um die neueste Produktion dieses Künstlers zu verstehen, der aus dem Experimentieren und der Verwendung multimedialer Mittel die Form seiner Kunst entwickelte. Im Fall von Budano sind dies Video-Skulpturen, oder besser Video-Bildschirm-Skulpturen, wie sie lieber von deren Erfinder bezeichnet werden.

An der Basis steht eine Art Hochrelief voller Falten und Draperien, das an die menschliche Anatomie, aber auch an hypothetische Vorhänge erinnert, die sich scheinbar öffnen, um andere und tiefere Formen entstehen zu lassen. Auf diese Tafeln projiziert Budano Bilder, die von ihm selbst am Computer ausgearbeitet wurden und mit Klängen und zeitgenössischer Musik kombiniert werden. Das Ergebnis dieser im Studio und am Computer entwickelten Arbeit ist eine äusserst fesselnde künstlerische Komposition voller Bedeutungen, wobei der besonderen Aufmerksamkeit für die Szenographie immer ein klarer Grund­diskurs entspricht, der sich auf spezielle Art und Weise im Video äussert, das die Skulptur durchmisst und sondiert und ihr damit stets neue und verschiedene Lesarten ermöglicht. Die von Budano durchgeführte Analyse des Seins geht von der Auffassung einer Art organischen Stoffes aus, der sich in etwas Hochtechnologisches verwandelt.

Wir selbst verwandeln uns Tag für Tag, ohne dass uns dies auffallen würde. Psychologisch gesehen werden wir uns der Veränderungen nicht bewusst, die in uns passieren; es besteht jedoch die Gefahr, dass wir uns in Automaten verwandeln, in denen das Abfallen des Fleisches der Hypertechnologie Platz macht. Diese pessimistische Sicht der Existenz kehrt Budano nun jedoch mit einer neuen Serie von Arbeiten um: die schwarzen Skulpturen des Biochips, deren Thema nicht mehr der Mensch, sondern die Maschine ist.

In den letzten Werken Budanos ist es die Maschine, die eine Metamorphose erlebt, um sich in etwas Menschliches zu verwandeln. Der Computerchip, der nach und nach zu organischem Gewebe und damit eine denkende Maschine wird, nähert sich dem Menschen immer mehr an. Es ist dies eine neue Welt, die zu denken gibt, eine Möglichkeit, darüber zu reflektieren, was wir wirklich sind. Wenn die Lichter des Videos verlöschen, bleibt Stille zurück und in der Stille scheint das Zeichen des Künstlers wie Vestalinnen über seine Werke in Raum und Zeit zu tanzen.

Carlo Francou, Direktor des Museo scienze Naturali, Piacenza, Italien

artist-in-residence

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