Feuerman Carole A.

Feuerman Carole A.

«...Mit meinen Plastiken vermittle ich meine Gefühle über das Leben und die Kunst. Es ist für mich um einiges leichter, meine Emotionen über die Bildhauerei auszudrücken, als diese in Worte zu übersetzen. Ich portraitiere das innere Leben eines jeden Bildes, um die Leidenschaft und Sinnlichkeit meines Sujets einzufangen. Auf diese Weise kommuniziert meine Arbeit mit dem Betrachter und provoziert damit sowohl eine emotionale als auch intellektuelle Antwort...»

Die Kunst der Carole Feuerman

Ich bin überzeugt davon, dass die Arbeiten Carole Feuermans bedeutende Kunstwerke sind. Ihre Aussagen sind im wörtlichen wie übertragenen Sinn breit angelegt und verbindlich, da ihre Arbeiten aufgrund der parallelen Darstellung von Zuversicht und Zynismus zur Komplizenschaft und zugleich zum Widerstand herausfordern. Es gibt keine richtige Geschichte von der man ausgehen bzw. der man folgen könnte außer der eigenen Geschichte.

Irgendwer äußerte einmal das Motto, wonach nichts so banal wie das Tiefgehende und nichts so tiefgehend wie das Banale sei. Unsere Mythen sind Teil unserer Banalität und stehen damit für unsere kulturellen Hervorbringungen, für unsere Konzepte von Erfahrungen und die gewohnten Regeln unserer Wirklichkeiten. Die Mythen sind nichts anderes als Reflexionen über die kognitiven Schemata, mit deren Hilfe wir unser Leben steuern. Wir können dies als Trost betrachten oder jedoch als Angriff empfinden.

Die Arbeiten Feuermans setzen sich mit Begriffen wie Introspektion, Subjektivität und Universalität auseinander. Wie die Künstlerin selbst betont, verkörpern ihre Werke zugleich Heiterkeit, Ruhe, Reinheit und Leidenschaft. Jedenfalls sind dies lediglich deren zur Schau gestellten Eigenschaften, ähnlich vielleicht den Produkten unseres emotionalen Konsumdenkens.

Die an der künstlerischen oder anderweitigen Herstellung unserer Selbst-Mystifizierungen interessierten Betrachter sollten sich Gedanken machen über die kulturellen Strategien dieser Emotionen, über deren Gebrauch in der Mainstream-Kultur und über deren Funktion zur Stärkung popkultureller Konzepte des Tiefschürfenden und Bedeutungsvollen. Andererseits leben wir unsere Mythen nicht so sehr, weil wir an sie glauben, sondern weil sie unsere (universelle) emotionale Währung darstellen.

Ohne diese Subtexte, die gleichsam in der Verantwortung des Betrachters liegen, wären die Arbeiten Feuermans nicht vollständig, wobei die Künstlerin davon überzeugt ist, dass das Betrachten von Kunst zugleich Auseinandersetzung und Umarmung sein sollte. Genau aufgrund dieser Herausforderungen und ernsthaften Fragestellungen gewinnen die Werke Feuermans ihre Bedeutung und zugleich unseren Respekt.

Stephen Foster

artist-in-residence

art-st-urban ist ein unabhängiges, einzigartiges Kunstzentrum, privat finanziert. Angeschlossen ist der Verein "Artist in Residence Förderprogramm Young Artist". Um dieses weltweit einmalige Kunst-Förderprogramm weiter in dieser Qualität aufrecht erhalten zu können, sind wir auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Dies suchen wir mittels einer Crowdfunding-Kampagne bis 22.07.17 auf Funders.ch.

Mehr