• Home
  • News
  • Kunst ist nicht denkbar ohne Ekstase

Kunst ist nicht denkbar ohne Ekstase

Kunst ist nicht denkbar ohne Ekstase

Mit seinem Buch «Appassionato» setzt der Publizist Roy Oppenheim seinem Freund Heinz Aeschlimann noch zu Lebzeiten ein Denkmal. Die bulgarische Pianistin Donka Angatcheva Maraszto setzte der Buchvernissage am letzten Donnerstag mit Beethovens Klaviersonate «Appassionata» die Krone auf.

Zweimal Passion, zweimal Leidenschaft und eine Hauptperson. Heinz Aeschlimann wurde das Lob in Worten und Tönen, die Gratulationen der Gäste-Prominenz aus Wirtschaft, Politik und Kultur fast zu viel. Das wussten auch seine Frau Gertrud Aeschlimann und Roy Oppenheim, seit Jahren sein enger Begleiter, – und taten es trotzdem. Mit «He is a real Renaissance-Man» fasste der Laudator zusammen, was Heinz Aeschlimann seit früher Jugend bewegt und formt und lieferte mit dem Victor-Hugo-Zitat eine Erklärung fürs «Trotzdem-Lob»: «Was nicht gesagt werden kann und worüber zu schweigen unmöglich ist.»

Die Musik Liszt habe Heinz Aeschlimann schon in sehr jungen Jahren in «einen Rauschzustand ekstatischer Meditation» versetzt, so dass er seine seelische und physische Energie in Kunstwerke umsetzen konnte. «Wenn sein Schweiss geflossen und er erschöpft war vom kreativen Rausch, fühlte er sich fit für die Arbeit», beschrieb Roy Oppenheim das bildhauerische Wechselspiel zwischen Skulptur und Musik, die Symbiose von Kunst und Beruf als Antwort auf die ständige Frage: «Wie komme ich in einer Welt voller Brüche zu Harmonie und Vollkommenheit?».

Die Antwort waren und sind Plastiken, deren Rundungen voller Sanftheit sind, die zum Teil als Skulpturen mit dem Namen «Composer» den Namen Aeschlimann in alle Welt tragen. Überallhin, wo der Leiter (bis 2010) der gleichnamigen Zofinger Strassenbau- und Asphaltunternehmung mit Bauten und Brücken präsent ist. «Geladen mit Ideen, überschreitet Heinz Aeschlimann auch kulturelle Grenzen», versuchte der Redner dem «Unternehmer, Künstler, Kommunikator und Kosmopolit» gerecht zu werden, an dessen Seite «Gertrud steht, ideensprühender Vulkan und Liebhaberin barocker Inszenzierungen.»

Mentor, Lehrmeister und Freund

Der barocke Festsaal war der adäquate Rahmen für die von Freude, Dank und Stolz strahlenden Worte der Gattin an den Gatten, dessen Gebot «dass du gar nicht von mir redest» sie willentlich missachtete.

«Du bist der Mittelpunkt, der unermüdliche Schaffer, Mentor, Lehrmeister und Freund. Du widmest dich mit besonderer Leidenschaft als Appassionato, mit Glaube und Risikobereitschaft, mit Weitsicht und Beharrlichkeit deiner AG und der Kunst.» Gertrud Aeschlimann erinnerte an das intensive Kultur- und Kunst-Engagement art-sturban, «mit dem er vor zehn Jahren Urs-Peter Müller angesteckt hat, auch dieser ein Mann voller Leidenschaft: für Kloster und Psychiatrie. Ohne ihn wäre art-st-urban nicht da. Er hat der Luzerner Regierung beigebracht, dass St. Urban nicht vernachlässigt werden darf.» Zwar nicht mehr Klinikdirektor, aber trotzdem mit seinem Geburts- und Arbeitsort immer noch eng verbunden, würdigte Urs-Peter Müller den Mann, der St. Urban durch das Projekt art-sturban weltweites Renommee verschafft.

Auch eine Symbiose, von der beide Seiten profitieren. «Für uns war es eine Chance, dir vor zehn Jahren den leer stehenden Pavillon zu vermieten und dir im Klinik- und Klosterareal Platz für Kunst zu bieten. Wir konnten Geld aufheben, das auf der Strasse lag, und es einsetzen für Klinik und Kloster», zog Urs-Peter Müller die finanzielle Bilanz der Verbindung zu Aeschlimann. Wichtiger ist ihm aber das Nicht-Materielle, die Ergänzung der barocken Farbenwelt durch das Heute – die Quintessenz, die er in seinen abschliessenden Worten zum Ausdruck brachte: «Wir stellen euch die Kulisse zur Verfügung, aber auch der Geist strahlt zu euch in eure neue Welt und kommt zu uns befruchtend zurück.

Ich danke euch dafür, dass ihr St. Urban bereichert.» Damit meinte der alt Direktor auch die Begegnungen, die art-sturban ermöglicht und die ihn stolz gemacht haben «…nicht nur Spitzenleute der Kultur, sondern auch höchste Exponenten von Politik und Wirtschaft, Chefs von Bundesbetrieben, Regierungsräte, Generäle und Botschafter.»

1356 Gramm für jeden Gast

So schwergewichtig wie die Prominenz aus dem In- und Ausland ist das Buch «Appassionato – Heinz Aeschlimann – Künstler, Unternehmer, Visionär» in der Till-Schaap-Edition, das alle Gäste in Empfang nehmen durften. Satte 1356 Gramm wiegt es, ein Bildband, der das ganze Schaffen Heinz Aeschlimanns dokumentiert mit Texten von Roy Oppenheim in Deutsch und Englisch: Biografie, Lebensphilosophie, Interpretation, Information von Aussage und Technik.

Dazu prominente Randnotizen von Freunden und Exponenten der Kunst. Vor allem aber grossformatige Bilder, die für sich selber sprechen und Zeugnis sind für die plastische Schaffenskraft des Heinz Aeschlimann, der seine Kreativität in gleichem Mass als Bauingenieur und Unternehmer sprudeln liess. Ihm in seiner Ganzheit als Mensch (quasi ein homo universalis) galt zum Schluss der persönliche Dank seiner Gattin: «Du hast mich unterstützt, auch wenn ich die verrücktesten Ideen hatte.»

Artikel erschienen am Dienstag, 16. Februar 2016, Willisauer Bote, Nr. 13 von Adelheid Aregger

artist-in-residence

art-st-urban ist ein unabhängiges, einzigartiges Kunstzentrum, privat finanziert. Angeschlossen ist der Verein "Artist in Residence Förderprogramm Young Artist". Um dieses weltweit einmalige Kunst-Förderprogramm weiter in dieser Qualität aufrecht erhalten zu können, sind wir auf zusätzliche Unterstützung angewiesen. Dies suchen wir mittels einer Crowdfunding-Kampagne bis 22.07.17 auf Funders.ch.

Mehr